Beni Van de Rutter

Hard work pays off – das hat Tattoo Artist Beni Van de Rutter auf seinem harten Lebensweg gelernt. Nach seiner Karriere als Motocross-Profi, dem Verlust eines geliebten Menschen, hat er sich nun einen Namen in der Tattoo Szene gemacht und lebt sein Leben nach eigenen Regeln.

Beni könntest du ein bisschen über dich und deine Biographie erzählen?

Da muss ich ein wenig ausholen. In der Schule war ich nicht besonders brav, wenn man es so sagen möchte, ein „Stritzi“. Das Interesse meinerseits am Unterricht hielt sich also in Grenzen. Ich war mehr oder weniger ein „Außenseiter“ war. Das erste für das ich in meinem Leben wirklich Interesse entwickeln konnte, war Motocross. In einem Spanienurlaub kam ich mit Motorrädern in Berührung. Wir waren dort auf einer Motocross-Strecke, ich konnte fahren und eine Leidenschaft war geboren. Zuhause habe ich dann von meinem Vater ein Motorrad bekommen und die Reise ging los.  Ich kam ins Athletenteam von Red Bull, wurde von KTM gesponsert und begann zu gewinnen. Ich wurde österreichischer Meister, fuhr bei Weltmeisterschaften mit und mir standen alle Türen offen, doch es sollte nicht so bleiben.

Was ist passiert?

Meine Mutter nahm sich das Leben, ich verletzte mich beim Fahren und so nahm alles seinen Lauf. Ich begann mein Leben zu hinterfragen, wusste nicht, warum mir diese Dinge passieren mussten. Mein sportliches Umfeld wollte mich natürlich weiterhin unterstützen, aber plötzlich war das Feuer in mir irgendwie erloschen und ich begann in Clubs zu gehen, Party zu machen und meine Leistung ging rapide nach unten. Ich habe mich von diesen Ereignissen nicht mehr erholt, konnte nicht mehr an meine Erfolge anknüpfen. Aus dem Ausnahmetalent wurde plötzlich wieder der Außenseiter aus der Schulzeit. Ich stand mehr oder weniger vor dem Nichts.

Wie bist du dann zum Tätowieren gekommen?

Ich habe immer schon gezeichnet, nicht besonders gut, aber es hat mir Spaß gemacht. Nach den einschneidenden Erlebnissen habe ich dann den Wunsch verspürt mich tätowieren zu lassen. Ich habe mir selbst etwas gezeichnet und ging dann zum Tätowierer. In diesem Umfeld fühlte ich mich das erste Mal wieder wohl. Die Leute waren gut gelaunt, die Frauen waren schön. Es war also etwas mit dem man seinen Lebensunterhalt verdienen konnte und von guten Vibes umgeben war. So versuchte ich dort einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Nach einigen Versuchen und Abweisungen bekam ich dann dort auch eine Chance.

Wie war deine Lehrzeit?

Man kann sich das nicht so vorstellen, dass man gleich zu tätowieren beginnt. Am Anfang bist du eher der Mensch, der sich darum kümmern muss, dass das Studio sauber ist. Aber ich wusste, dass ich dort nicht lange den Besen schwingen will, sondern endlich zur Nadel greifen. Also übte ich, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Ich habe nicht lockergelassen und nach einem Jahr begann ich zu tätowieren. Das habe ich dann fünf Jahre gemacht.

Wann hast du dann den Entschluss gefasst, dich selbstständig zu machen?

Das hat sich im Laufe der Zeit irgendwie ergeben. Ich habe quasi als Weltenbummler viele Menschen auf meinen Reisen tätowiert und mit der Zeit auch immer mehr an Selbstbewusstsein gewonnen. Gemeinsam mit meiner Frau Yvonne haben wir dann den Entschluss gefasst aufs Land zu gehen und auf 200 qm² ein eigenes Studio zu eröffnen. Da lernte ich dann kennen, was es wirklich heißt ein Business zu haben. Denn wir mussten uns dann einfach um alles drum herum kümmern. Die wirtschaftlichen Aspekte, der Druck kam auf, alles lag bei uns.

Wie hast du dein Umfeld in dieser Zeit wahrgenommen?

Schwer zu sagen, aber auf dein Umfeld darfst du dich nicht verlassen. 90% der Menschen um dich herum fangen an dir zu sagen, was alles nicht funktionieren wird. Und wenn wir uns ehrlich sind, das ist auch egal. Du tust es ja nicht für sie, sondern für dich. Du reißt dir ja nicht für sie den Arsch auf, sondern für dich. Es ist ja nicht ihr Traum, sondern deiner.

Wie war es dann plötzlich selbstständig zu sein?

Ich kann mich noch gut an die ersten Tage in unserem eigenen Studio erinnern. Am ersten Tag kam Gott sei Dank jemand zu uns. Am zweiten Tag klingelte dann auch das Telefon, aber am dritten Tag herrschte gähnende Lehre und plötzlich kamen die Zweifel. Ob wir uns richtig entschieden hatten, im nirgendwo den Shop zu eröffnen? Ob wir schon bereit dazu waren, ob ich mir schon einen Namen gemacht hatte, damit das hier funktionieren konnte? Aber es ist ganz normal, dass man Zweifel hat, aber dann muss man sich einfach wieder runterholen und auf sich selbst vertrauen. Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte, denn es hat mich auch näher zu meiner Familie, beziehungsweise zu meiner Schwester, gebracht.

Wie war das Verhältnis zu deiner Schwester?

Nie besonders gut. Man muss sich das so vorstellen, dass ich immer die Aufmerksamkeit bekommen habe, weil ich im Sport erfolgreich war, dann kam der Tod meiner Mutter und ich machte mein eigenes Ding. Da war dann nur mehr ein alleinerziehender Vater und sie blieb irgendwie auf der Strecke. Eines Tages kam zu mir, weil sie sich ihren Führerschein finanzieren wollte und Geld brauchte, so stellte ich sie als Unterstützung bei uns ein. Heute ist sie Teil unseres Teams. Hätte ich dieses Studio nicht eröffnet, dann hätte ich sie nie wirklich kennengelernt und heute ist sie, neben meiner Frau Yvonne, meine Familie und eine wunderbare Künstlerin.

Wenn du jetzt ein kleines Resümee ziehst, was würdest du sagen?

Ich wollte immer, dass die Leute zu mir kommen, weil ich-ich bin und sich von mir tätowieren lassen, auch wenn ich im Nirgendwo bin. Ich habe auch ganz einfache Wünsche für die Zukunft, alles soll so gut bleiben wie es ist. Ich will noch viel von der Welt sehen und natürlich, dass unsere Familie noch ein wenig wächst.

Was ist deine größte bisherige Erkenntnis auf deinem Lebensweg?

Hard work pays off. Ich habe nie viel Geld gehabt, war nicht gut in der Schule, aber genau das hat mich dorthin gebracht wo ich heute bin, denn wenn du alles in den Schoß gelegt bekommst, dann hast du keinen Antrieb. Geschenkt bekommt man nichts im Leben und das ist auch gut so, denn man muss Ziele haben, diese fokussieren und umsetzen. Und natürlich hat man Zweifel, aber allein deswegen, weil man kämpft und alles gibt, wird man dann schlussendlich auch belohnt werden. Ich mache jetzt etwas, dass mich und andere glücklich macht und darauf bin ich sehr stolz.

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